Wie viele andere technische Produkte sind auch Softwaresysteme zu komplex, um in einer einzigen, allumfassenden Darstellung beschrieben zu werden. Stattdessen werden mehrere einander ergänzende Pläne zur Darstellung spezifischer Sichten verwendet. Die Modellierung der Struktur bildet, wie bei praktisch allen technischen Produkten, eine wichtige Basis der Softwareentwicklung. Jedoch führt die inhärente Komplexität dazu, dass der Funktionalität, also dem Verhalten und den Interaktionen der Softwarekomponenten, eine bedeutendere Rolle zufällt als bei anderen Produkten. Deshalb bietet die UML spezialisierte Diagramme zur Darstellung unterschiedlicher Aspekte an.
Obwohl die UML keine Vorgehensweise beinhaltet, die allgemein verbindliche Systemsichten definiert, lassen sich den einzelnen Diagrammformen doch bestimmte Entwicklungsaktivitäten zuordnen. Die Abbildung zeigt die Einordnung der neun UML-Diagrammarten in die Entwicklungsaktivitäten Analyse, Design und Implementierung sowie, für welche der Sichten Struktur, Interaktion und Verhalten sie sich besonders eignen. Die Hervorhebungen spiegeln dabei die derzeitige Bedeutung der Diagramme in der Praxis der Softwareentwicklung wider. Konzeptuelle Überlappungen verschiedener Diagrammarten erlauben die alternative Darstellung bestimmter Sachverhalte mit Hilfe verschiedener Diagramme. Es ist zu erwarten, dass mit dem Entstehen neuer Werkzeuge und Methoden für einige Diagramme weitere Anwendungen entstehen bzw. andere zurückgedrängt werden.
Durch die Anzahl der zur Verfügung stehenden Diagrammarten und die Reichhaltigkeit der darin angebotenen Konzepte entsteht anfangs der Eindruck, dass die UML unglaublich komplex sei. Es ist jedoch keineswegs notwendig, alle neun Diagrammarten zu kennen und zu verstehen, um die UML effektiv zu nutzen. Vielmehr erlaubt die UML, ähnlich einer natürlichen Sprache oder vielen DIN/ISO-Normen, die Konzentration auf eine für die jeweilige Aufgabenstellung hilfreiche Teilmenge der Gesamtsprache. Dadurch kann zum einen die Lernkurve für die UML deutlich verbessert werden. Zum anderen eignet sich die Restriktion auf einen begrenzten Sprachkern der UML häufig, etwa innerhalb eines Projekts oder einer Firma, um die Kommunizierbarkeit von Entwürfen zwischen Entwicklern zu verbessern.
Ein solcher Sprachkern besteht beim Einsatz der UML in der Praxis zumeist aus den folgenden vier Modellierungsnotationen oder sogar nur einer Teilmenge davon:
Dementsprechend werden diese Diagrammarten ausführlicher besprochen, während die übrigen Diagramme nur in konzentrierter Form vorgestellt werden.
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