Ausgangspunkt für die Architektur-Erstellung ist im Idealfall eine bereits durchgeführte Anforderungsanalyse, bei der die vorhandenen Anforderungen strukturiert, geprüft und priorisiert wurden. Wenn Sie unter den Glücklichen sind, die eine solche Ausgangssituation vorfinden, dann gehören Sie wohl gleichzeitig zu einer seltenen Minderheit. Typischerweise gibt es keine vollständigen Anforderungen, sondern es existiert meist ein Lastenheft des Herstellers, aus dem nicht die konkreten Anforderungen sondern lediglich die groben Produkteigenschaften des Systems hervorgehen. Zudem liegt der Fokus oftmals auf der Hardware und nicht auf den
Anforderungen, wie sie für die Software-Entwicklung benötigt werden. Die stark zunehmende Verteilung der Beteiligten über mehrere Standorte verstärkt die Probleme zusätzlich, da auch das Wissen über die Anforderungen entsprechend verteilt ist. Resultat ist, dass die Verantwortlichkeit für die Erstellung einer genaueren Spezifikation zwischen Zulieferer und Automobilhersteller hin und her geschoben wird. Ein weiterer erschwerender Faktor ist, dass sich die Zulieferer aufgrund des Schutzes ihres eigenen Knowhows nicht zu tief in die Karten schauen lassen wollen.
Neben diesen grundsätzlichen Aspekten kommt im Automobilbereich das Thema der Variantenvielfalt hinzu. Sowohl die Hersteller als auch die Zulieferer sind damit konfrontiert. Die einen müssen möglichst effizient unterschiedliche Modellreihen unterstützen, die anderen müssen in der Lage sein, mit ihren Produkten unterschiedliche Hersteller zu beliefern, ohne dabei für jeden Kunden eine komplett unabhängige Entwicklung durchzuführen.