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Erfahrung
Software-Wartung: Abhängigkeiten
Erfahrung:29800
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Beschreibung der Erfahrung
Der offensichtlichste Unterschied zwischen Neuentwicklung und Wartung ist trivialerweise, dass bei der Wartung bereits ein laufendes System existiert - und damit in der Regel auch aktive Benutzer, erfasste Daten, auf das System abgestimmte Geschäftsprozesse, Nachbarsysteme, die sich auf das System stützen, Know-how über alle vorgenannten Punkte; die Liste lässt sich leicht verlängern. Alle Punkte lassen sich als Abhängigkeiten zusammenfassen. SW-Systeme, Geschäftsprozesse, Arbeitsgewohnheiten usw. bilden ein komplexes Geflecht von Abhängigkeiten, das bei der Wartung einzelner SW-Systeme überblickt werden muss. Es wird deutlich, dass es für die SW-Wartung entscheidend ist, das Umfeld des SW-Systems vollständig zu erfassen.

Das Laufzeitsystem
Hierunter fallen beispielsweise Datenbanken, Applikationsserver, Webserver, Middleware-Komponenten, Betriebssysteme, GUI-Frameworks und andere zur Laufzeit eingesetzte Bibliotheken. Kritische Abhängigkeiten entstehen z.B. durch technische Restriktionen, dass nur jeweils bestimmte Versionen von Komponenten der Laufzeitumgebung miteinander arbeiten können.

Nachbarsysteme
Daten werden von anderen SW-Systemen übernommen und an andere Systeme weitergegeben. Diese Systeme können innerhalb der selben Organisation laufen und gepflegt werden, oder es kann sich um SW-Systeme von anderen Unternehmen handeln. Abhängigkeiten entstehen neben den technischen Voraussetzungen zur Kommunikation zwischen den Systemen (s. Laufzeitsystem) oft durch Annahmen, die über die ausgetauschten Daten getroffen werden. Typische Beispiele hierfür sind Annahmen über bereits erfolgte Konsistenzprüfungen der Daten.

Die Werkzeugkette
Dazu zählen die Entwicklungsumgebung, Modellierungswerkzeuge, Compiler, Buildsysteme, Generatoren, das Konfigurationsmanagementsystem. Zu den schwierigsten Wartungsfällen gehören Systeme, die nicht mehr oder nur unter großen Schwierigkeiten wieder aus den Quellen gebaut werden können. Nicht selten passiert es bei einem Plattformwechsel, dass beispielsweise das Build-System neu aufgesetzt werden muss, weil das entsprechende Werkzeug in der neuen Umgebung anders funktioniert als das Original, oder dass der Compiler bestimmte syntaktische Konstruktionen nicht mehr ohne weiteres unterstützt.

Es ist daher eine gute Praxis, alle Werkzeuge gemeinsam mit den System-Quellen im Konfigurationsmanagementsystem abzulegen.

Es ist verblüffend, wie oft dieser wichtige Punkt bei einer Betrachtung der Wartbarkeit und Weiterentwickelbarkeit eines SW-Systems vergessen wird.

Daten
Oft stellen die in ein System oder mit Hilfe eines Systems erfassten Daten einen noch viel größeren Wert dar als das System selbst. Um den Wert der Daten abzuschätzen, stelle man sich eine Bank ohne die Konten-Daten ihrer Kunden vor. Die Datenmigration gehört daher zu den wichtigen Wartungsaufgaben. Bei Ablösungs-Projekten stellen die Daten oft die entscheidenden Herausforderungen, weil die Möglichkeiten der Datenmigration darüber entscheiden, ob die Systemmigration schrittweise oder auf einen Schlag durchgeführt werden kann. In solchen Projekten muss einerseits geprüft werden, ob parallele Datenhaltung zu Konsistenzproblemen führt, und andererseits ob die Konvertierung der Daten vom alten ins neue System in kurzer Zeit überhaupt machbar ist.

Anforderungen und Geschäftsprozesse
Informationssysteme existieren, um Geschäftsprozesse zu unterstützen. Die Geschäftsprozesse definieren die Anforderungen an ein SW-System. Umgekehrt sind aber auch die Prozesse so gestaltet, dass sie die Möglichkeiten der IT-Unterstützung optimal ausnutzen. Prozesse und SW-Systeme können also meist nur gemeinsam und aufeinander abgestimmt geändert werden.

Siehe auch: Software-Visualisierung - Einstieg,
Ziele des Konfigurationsmanagements,
Ablösung durchführen (Migration)
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