Es gibt keine einheitliche Technik, die für alle Anforderungen in einem Projekt geeignet ist. Bei der Auswahl der Ermittlungstechnik spielen einerseits Chancen und Risiken im Projekt sowie der Detaillierungsgrad der Anforderungen eine Rolle.
Es lassen sich die Ermittlungstechniken für Anforderungen in Kreativitäts-, Beobachtungs-, Befragungs-, Feedback-, unterstützende und vergangenheitsorientierte Techniken unterteilen.
Kreativitätstechniken Kreativitätstechniken eignen sich dazu, erste Ideen zu sammeln und eine erste Übersicht über das zu entwickelnde System zu schaffen. Zu den Kreativitätstechniken gehören Brainstorming, Wechsel der Perspektive und Mind Mapping etc. Es ist empfehlenswert, diese Techniken einzusetzen, um zu Beginn einer Entwicklung grobe Ziele und eine Vision des Systems zu schaffen.
Beobachtungstechniken Der Systemanalytiker beobachtet, welche Prozesse die Stakeholder während ihrer Arbeit ausführen. Er erfasst diese Abläufe und ermittelt daraus die Vorgänge sowie Verbesserungsansätze für das zu entwickelnde System. Beobachtungstechniken eignen sich dazu, sowohl Anforderungen auf sehr detailliertem Niveau als auch unterbewusste Anforderungen zu ermitteln. Beispiele hierfür sind Feldbeobachtung und Apprenticing.
Befragungstechniken Diese Ermittlungstechnik basiert darauf, Stakeholder nach ihren Wünschen und Bedürfnissen zu befragen. Hierbei stellt ein Systemanalytiker dem Stakeholder gezielte Fragen und lässt sich Sachverhalte, Abläufe und Wünsche schildern. Die Befragungstechniken Fragebogen, Interview, Selbstaufschreibung und On-Site-Customer sind zur Ermittlung von Anforderungen beliebiger Detaillierungsgrade geeignet.
Vergangenheitsorientierte Techniken Um bestehende Lösungen in ein neues System zu integrieren, sind vergangenheitsorientierte Techniken geeignet. Durch diese Techniken wird die Möglichkeit geschaffen Erfahrungen aus bereits erfolgreich abgeschlossenen Systementwicklungen wiederzuverwenden. Beispiele hierfür sind Systemarchäologie und Reuse.
Feedback-Techniken Missverständnisse, Fehlinterpretationen oder Fehler bei der Formulierung können bei der Ermittlung der Anforderungen durch einen Systemanalytiker auftreten. Um die Qualität der Anforderungen sicherzustellen, muss der Stakeholder das Ergebnis überprüfen. Hierzu verwendet er Feedback-Techniken wie Simulationsmodelle und Anforderungsreview (Anforderungsprüfung und Akzeptanz).
Unterstützende Techniken Es gibt unterstützende Techniken, die in Kombination mit den bisher beschriebenen Ermittlungstechniken eingesetzt werden. Zu diesen unterstützenden Techniken gehören z.B. Workshops, Snowcards, CRC-Karten, Modellierung etc. Diese Techniken dienen nicht primär der Ermittlung von Anforderungen, sondern der Optimierung der Ergebnisse.