Im Projekt Variantenbildung wurden in Zusammenarbeit zwischen der Firma Kretz ( http://www.kretz.de ) , einem Unternehmen in Kaiserslautern das Statik Software für Bauingenieure herstellt, und dem Fraunhofer IESE Produktlinienmethoden in die Softwareentwicklung bei Kretz eingeführt werden.
Ziel unseres Projekts war es, eine Software-Architektur zu entwickeln, die es ermöglicht, die bisher getrennten Anwendungen des Unternehmens teilweise in ein gemeinsames System zu integrieren. Parallel dazu sollen die Einzelanwendungen jedoch weiter bestehen bleiben. Dazu ist zunächst ihr gemeinsames Umfeld abzugrenzen und zu analysieren. Danach müssen die existierenden Programme auf wiederverwendbare Komponenten hin untersucht werden, da möglichst viel des existierenden Codes übernommen werden soll.
Es wurden die folgenden Erfahrungen gemacht:
Die genaue Domäne für unser Projekt wurde auf "Verbundträger "festgelegt. Als Beispielkomponente wurde die Komponente zum Nachweis der Verbundsicherung näher betrachtet.
Kretz entwickelte basierend auf IESE-Vorschlägen aus der Statik Norm Eurocode 4 ein umfangreiches Anforderungsdokument für die neue Generation der Träger-Software. Es sollten in einer neuen Version der Software andere statische Analysen und neue Nachweise bestimmter Eigenschaften wie Bruchsicherheit, Brandschutz usw. realisiert werden. Andere Produkte, die auf älteren Normen beruhen, können systematisch davon abgeleitet werden. Die Analyse möglicher Produktvarianten in der Domäne wurde durchgeführt, das Ergebnis diente als Basis zum Entwickeln einer Referenzarchitektur, welche die verschiedenen Varianten unterstützt.
1999 portierte Kretz die alten, unter DOS laufenden Produkte nach Windows 95/Windows NT. Diese Arbeiten wurden im Februar 2000 abgeschlossen, danach konnte in der Verlängerungsphase des Projekts mit den begonnenen Arbeiten weitergemacht werden.
Es wurde im weiteren Verlauf ein Domänenmodell, Dokumentationsrichtlinien zur Erfassung von Variabilität und ein von PuLSE abgeleitetes und auf die Bedürfnisse der Firma Kretz angepasstes Vorgehensmodell erstellt. Des weiteren wurden erste Entwürfe für eine Referenzarchitektur gemacht. Die Referenzarchitektur konnte während des Projekts allerdings nicht mehr fertiggestellt werden.
Es wurde bei Kretz keine Analyse des gesamten Systems durchgeführt sondern nur eine punktuelle Analyse eines beispielhaften Teils des Systems. Dadurch konnte ein erstes Beispiel gegeben werden wie Domänenanalyse funktioniert und für das Unternehmen eine Anleitung gegeben werden in der Zukunft selbst Anforderungen variabler zu erfassen. Wichtig ist es, für die Domänenanalyse das Unternehmen mit den richtigen Techniken zu unterstützen. Bei Kretz wurden bisher, aufgrund der geringen Größe der Software-Entwicklungsabteilung, Anforderungen noch nicht systematisch erfasst. So musste zuerst die Basis für die Systematische Erfassung von Anforderungen geschaffen werden, dann konnten erste Methoden zur Einführung von Variabilität eingeführt werden.